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Gmür
Leonhard

geboren am 30. April 1942 in Luzern
Filmemacher und Autor mit Heimatort Amden

Er setzte James Bond in Szene

Leonhard Gmür ist das dritte Kind des gleichnamigen Vaters und Rösly Gmür-von Deschwanden. Er wächst in Luzern auf und studiert in Bern und München. Nach seiner Ausbildung ist er zuerst als freier Filmkritiker tätig und fotografiert für Filme und Fernsehen, bis er als Aufnahmeleiter und Produktionsleiter in deutschen und internationalen Spielfilmen in der Filmszene Fuss fasst. Er dreht unter anderem Actionsegmente für sechs James Bond Filme und wird 1984 in die Director’s Guild of America aufgenommen. Er erhält einen Lehrauftrag für Filmproduktion an der Hochschule Siegen. Ab 2013 verfasst er verschiedene Filmbücher und Monographien.

Im folgenden Text schildert Leonhard Gmür seine Gedanken als Exil-Ammler:

Amden und ich

In meinem Pass steht «Bürgerort: Amden», aber geboren wurde ich in Luzern, dort bin ich aufgewachsen, zur Schule gegangen, studiert habe ich in Bern und München, gearbeitet und gelebt auf der halben Welt, heute lebe ich im Tessin, und doch bin ich irgendwie Ammler geblieben.
Wenn ich an Amden denke, sehe ich natürlich zuerst unser Haus in Amden, Vorderächern, das alte Holzhaus, das seit 200 Jahren mit nur wenig Veränderungen im Vorderdorf steht, nicht an der Hauptstrasse, sondern etwas zurückgezogen in den Wiesen von Rüti. Es war mir früher nie bewusst, aber heute denke ich, dass nicht mein Ur-Ur-Grossvater Gallus den Platz für das Haus gesucht hat, sondern dass «zuerst das Haus war und es Gallus Gmür gezeigt hat, wo es stehen will.»

Auf dem Kachelofen in der Stube in Ächern finden wir die Jahreszahl 1822. Wir nehmen an, dass dies das Jahr ist, in welchem das Haus auf Vorderächern gebaut wurde. Ob wir dies feiern können, ich weiss nicht. Aber ich würde diese Jahreszahl gerne damit verbinden – nicht rückblickend, sondern in die Zukunft schauend. Wenn ich jetzt, da meine aktive Zeit in Filmproduktionen vorbei ist, mich publizistisch mit den Filmen und Regisseuren beschäftige, die vor hundert Jahren im Licht der Jupiter-Lampen standen, so interessieren mich stets die Geschichten, die sich hinter Türen verbergen, deren Schlüssel wir meist verloren haben.

Im Rücken des Hauses steigt der Hang sanft an und bildet mit Mattstock und Leistkamm einen grossen Bogen gegen Norden. Aber das Haus schaut hinaus in die Welt der Kerenzer Berge, die den Blick nicht abschliessen, sondern ihn öffnen nach Süden, der uns immer Verheissung war. Und bis in die Stube hinein spiegelt sich doppelt die Sonne, reflektiert vom tiefen Blau des Walensees.
Leonhard – auch das verbindet mich mit Amden und Ächern: Leonhard, der 1771 noch auf Hinter-Ächern geboren wurde, in Mailand studierte und später als Pfarrer nach Amden zurückkehrt. Leonhard, sein Neffe, mein Urgrossvater, 1908 in Amden geboren, Politiker und Ständerat, dem wir das Bistum St. Gallen verdanken. Sohn Leonhard, 1841 in Amden geboren, später im Kloster Einsiedeln, sein Leben galt vor allem auch der Musik. Mein Vater Leonhard schliesslich, im «Exil» in Luzern geboren, der uns die Liebe zu Amden gelehrt hatte.

In der Kindheit waren wir oft wochenlang auf Ächern, nicht in der Klein-Familie, sondern mit Tanten, Onkels und Cousins. Ich erinnere mich  gerne an unsere Kegelbahn, die dann in den Achtziger Jahren der Renovierung zum Opfer fiel, schade eigentlich, denn dank ihr gab es für uns nie schlechtes Wetter in Amden. Dann kamen die Jahre als Student, hier verbrachten wir die Ferien, schliesslich die Arbeit im Ausland, und Amden rückte etwas in die Ferne. Irgendwann stiess ich auf Fidus und Josua Klein, las fasziniert von ihren Tempel-Projekten, phantastische Projektionen, die einem vertraut vorkamen, schuf man damals nicht selbst mit an ähnlichen verrückten Ideen. Und wieder war Amden das Zentrum, als wir die kirchliche Hochzeit feiern durften, leider nicht mehr in der alten St. Anna-Kapelle, nicht weniger feierlich, in der neuen – es regnete den ganzen Tag in Strömen: Freudentränen. Und als unser Sohn klein war, fuhren wir fast jedes Jahr von München nach Amden, die Mütter mit ihren Kindern, und wenn es sich ausging, kamen die Männer dazu nach Ächern. Selbstverständlich hat unser Sohn seine ersten Versuche auf Skis in Amden absolviert.

So bleibt der Kreis immer in Bewegung, der Ofen, die Kegelbahn, die nie gebauten Tempel, die alte Kapelle, der Brunnen auf Ächern, der endlich wieder instand gesetzt werden müsste. Ich habe ein altes Foto gefunden, es zeigt zwei Buben und ein Kleinkind auf einem Karussell vor diesem Brunnen. Es sind meine älteren Brüder Robert und Walter, der ganz kleine Bub bin ich.